09. Februar 2010 01:42 | |||||
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Mitglied seit: 17.10.2006
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Vielleicht gelingt im 200. Todesjahr, was bisher trotz der Bemühungen von so großen Dirigenten wie Antal Dorati (im Plattenstudio für Philips) oder Nikolaus Harnoncourt (auf dem Konzertpodium, vor allem aber auch auf der Bühne des Theaters an der Wien) stets auf wenig fruchtbaren Boden fiel: Joseph Haydn als Opernkomponist jene Anerkennung zu verschaffen, die er als Symphoniker und Meister des Streichquartetts genießt.
Einen wichtigen Beitrag dazu leisten Thomas Quasthoff und das Freiburger Barockorchester, das unter Gottfried von der Goltz den enormen instrumentalen Reichtum des nie schablonenhaft begleitenden Orchesters mit Prägnaz, Vitalität und großem Farbenreichtum aufblühen lässt.
18 italienische Arien hat Quasthoff ausgewählt. Sie stammen vielfach aus komischen Opern und belegen eindrucksvoll, dass Haydn seinen geistreichen Witz keineswegs auf seine Symphonien beschränkt hat. Der deutsche Bassbariton, der hier seinen enormen, vom tiefen G bis zum hohen A reichenden Stimmumfang wirkungsvoll ein setzen kann, wechselt geschickt zwischen heiteren und seriösen Arien ab, um einerseits eine dramaturgische Spannung herzustellen, und anderseits, um nachhaltig seine Vielseitigkeit zu demonstrieren. Geradezu suggestiv kann er mit ruhiger Gelassenheit als Unterwelt-Fährmann Charon im "Orlando Paladino" den Schlaf beschwören und unmittelbar davor in einer Arie aus derselben Oper das aufgeblasene Wesen des Rodomonte köstlich zu charakterisieren. Quasthoff übertreibt nie, bringt stets die Eigenart der jeweiligen Arie prägnant zur Geltung, liefert keine Show vokaler Eitelkeit, sondern reiht Perle an Perle aneinander, um den unerschöpflichen Einfallsreichtum Haydns ins rechte Licht zu rücken.
Joseph Haydn: Italian Arias.
Thomas Quasthoff (Bassbariton), Freiburger Barockorchester, Leitung: Gottfried von der Goltz.
Deutsche Grammophon, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer